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3.2.2 Instrumenteller Wert der Natur

In der anthropozentrischen Sichtweise haben Tiere, Pflanzen, Ökosysteme und die gesamte Natur nur einen „Wert“ in Bezug auf die Menschen und ihre Interessen. Zumeist wird der Wert, den sie besitzen, „instru¬menteller Wert“ genannt. Die wichtigste Konsequenz in Bezug auf den Umwelt- und Naturschutz ist aus dieser Perspektive: Der einzig akzeptable Grund, die Natur zu erhalten und zu kultivieren, besteht darin, dass die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse – wie die Ernährung des Körpers und die Erhaltung der Gesundheit – von der Natur abhängig ist. Die Natur (insbesondere in Hinsicht auf die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen) ist eine Vorbedingung für unser biologisches, ökonomisches und soziales Leben; ohne eine intakte Natur ist menschliches Leben auf Dauer nicht möglich.

In einer anthropozentrischen Sichtweise ist die Natur (sind Luft, Wasser, Mineralien, Tiere, Pflanze usw.) notwendig und wertvoll für den Menschen – aber eben auch nur in diesem Sinne wertvoll! Es gibt keinen anderen Grund, die Natur als solche moralisch wertzuschätzen, da sie keinen Wert an sich, sondern nur in Bezug auf menschliche Interessen besitzt. Auch die Zurückhaltung im Verbrauch natürlicher Ressourcen (wie Tiere, fossile Brennstoffe, Mineralien etc.) kann nur in Bezug auf die Bedürfnisse und Interessen der heutigen oder allenfalls künftiger Generationen gerechtfertigt werden.

Auch die Diskussion von „nachhaltiger Entwicklung“ konzentriert sich häufig auf bestimmte Formen von Ressourcen-Management mit der Betonung auf soziale Gerechtigkeit und dem Wohlergehen zukünftiger Generationen (vgl. Palmer 2008: 18). Tatsächlich klingt auch die am häufigsten zitierte Definition von nachhaltiger Entwicklung, die in den Bericht der World Commission on Environment and development (WCED) – „Our Common Future” (1987) – übernommen wurde, ausgesprochen anthropozentrisch: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.”

In dieser Sichtweise brauchen wir eigentlich keine spezielle Umweltethik, da jede Ethik immer menschliche Ethik ist. Werte sind stets sowohl von Menschen erzeugt als auch auf Menschen bezogen Im Prinzip besitzen nur Menschen einen „moralischen Status“ und kommen als „moralisch Handelnde“ in Betracht. In Übereinstimmung mit dieser sehr strikten anthropozentrischen Sichtweise müssen wir freilich unterscheiden zwischen „direkten Pflichten“ gegenüber allen Wesen mit moralischem Status einerseits (Menschen) und „indirekten Pflichten“ in Bezug auf alle anderen Wesenheiten (Tiere, Pflanzen etc) andererseits. In anthropozentrischer Sicht ist die Natur ethisch allenfalls in einer indirekten Weise dann von Wert, wenn und nur wenn sie einen Beitrag für die Befriedigung der Bedürfnisse und Interessen des Menschen leistet. Folglich haben wir zu unterscheiden zwischen einem (möglichen) „Wert in der Natur“ und einem „Wert der Natur“ (Palmer 2008: 17): aber nur das zweite wird von strengen Anthropozentrikern wie William Baxter akzeptiert, weil es für sie keine intrinsischen Werte in der Natur selbst gibt. Wenn wir von einem „Wert der Natur“ sprechen, dann schreiben wir also der Natur nur in Bezug auf unsere eigenen Interessen an der Natur einen Wert zu. Unabhängig vom Menschen würde es überhaupt keine ‚natürlichen’ Werte geben.

Diese strenge anthropozentrische Sicht steht jedoch in scharfem Gegensatz zu den intuitiven Gefühlen vieler Menschen gegenüber der Natur: sie wertschätzen und lieben die Natur (natürliche Wesen wie Pflanzen und Tiere oder auch Landschaften, Gebirge und Meere) um ihrer selbst willen, nicht nur aufgrund instrumenteller Motive. Moderate (gemäßigte) anthropozentrische Philosophen räumen daher ein, dass wir mehr als nur instrumentelle Interessen gegenüber Umwelt und Natur hegen können: sie vertreten die Auffassung, dass es für die anthropozentrische Argumentation nicht notwendig ist, nur die pragmatischen und uti-litaristischen Aspekte unserer Wechselbeziehungen mit der Natur zu betonen. Ohne die anthropozentrische Position zu verlassen, können wir in einer ästhetischen oder kontemplativen (sogar meditativen) Weise in Kontakt mit der Natur kommen (mehr passiv als aktiv, eher sich erfreuend als in einem technischen Sinn benutzend).

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