1.5 To the argument of aesthetic contemplation

Herr K. und die Natur

Befragt über sein Verhältnis zur Natur, sagte Herr K.: „Ich würde gern mitunter aus dem Hause tretend ein paar Bäume sehen. Besonders da sie durch ihr der Tages- und Jahreszeit entsprechendes Andersaussehen einen so besonderen Grad an Reali­tät erreichen. Auch verwirrt es uns in den Städten mit der Zeit, immer Gebrauchs­gegenstände zu sehen. Häuser und Bahnen, die unbewohnt leer, unbenutzt sinnlos wären. Unsere eigentümliche Gesellschaftsordnung lässt uns ja auch die Menschen zu solchen Gebrauchsgegenständen zählen, und da haben Bäume wenigstens für mich, der ich kein Schreiner bin, etwas beruhigend Selbständiges, von mir Abse­hendes, und ich hoffe sogar, sie haben selbst für den Schreiner einiges an sich, was nicht verwertet werden kann.“

(Brecht 1967 [1961]: 381 f. [110])

Zu einer Umweltethik als einem eigenständigen akademischen Feld ist es allerdings erst um 1970 gekommen, als die Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen durch Umweltverschmutzung und Um­weltzerstörung unübersehbar wurde. Erst zu dieser Zeit auch war die wis­senschaftliche Erforschung komplexer Naturzusammenhänge (Ökologie und Ökosystem­forschung) sowie der Wechselwirkungen zwischen Natur­haushalt und Wirtschaft so weit vorangeschritten, dass umweltethische Argumentationen nunmehr auch wissenschaftlich abgesichert werden konnten. Vor allem die Ressourcenethik, aber auch die Landschaftsethik, erfuhr dadurch als „ökologische Ethik“ einen immensen Aufschwung. Damit einher ging ein starker öffentlicher Bewusstseinswandel hin zu ei­nem ausgeprägten Umweltbewusstsein. Erstmals auch konnte die Um­weltbewegung ihren Protest gegen die Zerstörung und Verschandelung der natürlichen Umwelt in Form von Umweltparteien artikulieren und durch deren Einzug in zahlreiche nationale Parlamente politisch wirksam werden (vgl. die ähnlichen Ausführungen in Kapitel 1).

Damals wurde vielen Menschen rund um den Globus deutlich, dass das Nachdenken über das Verhältnis von Mensch, Gesellschaft und Natur integraler Bestandteil jeder Ethik sein sollte. Auch die Tierschützer konnten jetzt ihr Anliegen auf einen erhöhten Schutz leidensfähiger Tiere besser geltend machen: dies betraf zum einen die Behandlung von Tieren in der Landwirtschaft (Tierhaltung) und in der Forschung (Tierexperi­mente), zum andern aber auch die Einsicht, dass dem anhaltenden Arten­sterben (Vögel, Wale, große Menschenaffen usw.) endlich Einhalt gebo­ten werden müsse. Die Forderung nach einem ethisch angemessenen Um­gang mit Tieren und nach dem Schutz bedrohter Arten sowie bedeutsamer Ökosysteme (etwa der tropischen Regenwälder), deren Beitrag als Le­bensraum, aber auch für das Weltklima erkannt wurde, wurde unüberhör­bar.

Es ist klar, dass es damit auch innerhalb der Umweltethik zu einem Konflikt zwischen einer ‚nur’ anthropozentrisch und einer physio­zentrisch ausgerichteten Ethik kommen musste. Wie sind die jeweiligen Interessen von Menschen und Tieren (bzw. Pflanzen, Biotopen, Arten usw.) gegeneinander ethisch zu gewichten? In welchen Fällen hat das In­teresse des Menschen gegenüber dem von anderen Lebewesen zurückzu­treten? Umweltethiker müssen ihre Anliegen also nicht nur gegenüber wirtschaftlichen und sozialen Interessen behaupten, sondern haben auch mit internen Auseinandersetzungen um die „richtige“ Umweltethik zu kämpfen.

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