1.3 Tierethik

In der Tierethik geht es um das Wohlergehen individueller schmerzempfindlicher Lebewesen. Da sich die Tierethik zumeist nur um schmerzempfindliche Organismen kümmert, ist die Bezeichnung „Tierethik“ et was missverständlich. Das Tierreich wird dadurch aufgeteilt in Tiere mit einem Nervensystem und solche, denen die Schmerzempfindlichkeit aufgrund eines fehlenden Nervensystems abgeht. Die leitende Prämisse ist dabei, dass die Existenz eines Nervensystems eine notwendige Voraussetzung für Leidensfähigkeit ist. Jedenfalls betrachtet die Tierethik das Verhältnis des Menschen zu allen jenen Naturwesen, denen wir unterstellen dürfen, dass sie wie wir selbst zu leiden vermögen. Mit leidensfähigen Lebewesen aber können wir Empathie und Mitleid empfinden. Das Tier als „leidende Kreatur“ ist uns Menschen in besonderer Weise geschwisterlich zugeordnet. Außerdem besitzen solche Lebewesen einen ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb – sie verfolgen gewissermaßen Inte-ressen, suchen Befriedigung und streben danach, Leid und Unlust zu vermeiden.

Organismen, die an sich selbst ein Interesse haben, erscheinen aber in einem besonderen Maße als moralisch wertvoll, da ihnen eine gewisse Autonomie in ihrem Verhalten zugesprochen werden muss. Dies gilt dabei nicht nur für die großen Menschenaffen, die unsere nächsten Verwandten im Tierreich sind, sondern auch für alle Nicht-Primaten, voraus-gesetzt, dass sie schmerzempfindlich sind und sich selbst und ihre Um¬welt offenbar bewusst wahrnehmen. – In der Tierethik wird also danach gefragt, ob Tiere – zumindest die empfindungsfähigen – einen Wert und Zweck an sich selbst haben. Und wenn ja, was dies ethisch bedeutet im Hinblick auf unser Verhältnis und Verhalten zu ihnen. Eine konsequente Tierethik geht über einen rein anthropozentrischen Ansatz hinaus, indem sie „pathozentrisch“ denkt.

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